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Bolivien


Das Binnenland Bolivien ist etwa doppelt so groß wie Deutschland, doch mit ca. 9 Mio Einwohnern bei weitem nicht so dicht besiedelt wie seine Nachbarn. Bolivien hat Grenzen mit Brasilien, Peru, Chile, Argentinien und Paraguay. Fast zwei Drittel der Bolivianer leben unterhalb der Armmutsgrenze. Ein großer Teil des Landes ist nicht bewohnbar, einige der höchsten, isoliertesten, kältesten, wärmsten, windigsten, trockensten und salzigsten Plätze dieser Welt sind hier zu finden. Von den sich zu einer dramatischen Kulisse auftürmenden Schneegipfel und den wüstengleichen Hochebenen der Anden bis zu den feuchten Regenwäldern und den Savannen des Tieflandes im Amazonas-Becken umfasst Bolivien eine unglaubliche Spanne an Landschaften und Klimazonen. Die ethnische und kulturelle Vielfalt steht dieser in nichts nach. Die Mehrheit der Bolivianer ist indigener Herkunft, in keinem anderen Land Lateinamerikas verfügt der indigene Bevölkerungsteil über so viel Einfluss wie hier.

Obwohl Bolivien sehr reich an natürlichen Ressourcen ist, beträgt das durchschnittliche Pro-Kopf-Jahreseinkommen gerade einmal 2.800 US-Dollar. Im Vergleich zum lateinamerikanischen Durchschnitt von 8.200 US-Dollar ist Bolivien das ärmste Land Südamerikas. Die meisten Bolivianer sind weit davon entfernt, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen und eine Perspektive für die eigene Zukunft aufzubauen.

Viele Gründe für die ökonomische Stagnation des Landes könnten an dieser Stelle aufgeführt werden. Der Absturz der Zinnpreise in den frühen 80ern wird häufig als der ausschlaggebende Faktor bezeichnet, der die Wirtschaftsleistung des Landes senkte. Dem folgten weitere Rückschläge in den späten 80ern und den frühem 90ern, als die Entwicklungshilfe durch die Industriestaaten stark zurückgefahren wurde. Vielleicht aber ist damit die Hauptursache für Boliviens wirtschaftliche Instabilität noch gar nicht genannt. Vielleicht sind dies vielmehr die durch die USA geförderten Vernichtungsmaßnahmen von Coca-Plantagen. Die massenhafte Zerstörung der Pflanzen verursachte immense Einkommenseinbuße, insbesondere für die ärmsten Bevölkerungsteile des Landes.

Boliviens Armut kann den Touristen er- und auch abschrecken. Doch genau deshalb ist Bolivien heute noch einer der wertvollsten touristischen Geheimtipps, denn nirgendwo sonst in Amerika lässt es sich so sicher zu solch einer Vielfalt an Naturwundern reisen.